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Donnerstag, 26. Februar 2015

Richterin Fürstenau vom Amtsgericht Wiesloch ordnet zwangspsychiatrische Behandlung eines Scheidungskindes im Einstweiligen Verfahren an(1)

Der 10-jährige Y. soll nach dem Willen des Vaters und auf Empfehlung der Kinder- und Jugendpsychiaterin Dr. med. Maria Schmidbauer aus  Heidelberg auf unbestimmte Zeit zur stationären Behandlung in das Zentralinstitut für seelische Gesundheit in Mannheim gebracht werden. Das Institut ist eine Einrichtung des LWL-Kommunalverbandes. Dort finden auch psychiatrische Forschungsprojekte mit Kindern statt. Das Institut sucht hierfür Kinder, welche als Probanden zur Verfügung stehen......

Siehe dazu die Webseite mit Probandenaufrufen. Die Mutter befürchtet, dass ihr Sohn mit Hilfe des Jugendamtes und Gerichtes zwangsweise an der Studie Tactics teilnehmen muss. Da das Gericht ihr die Gesundheitssorge im einstweiligen Verfahren (ohne gesetzliche Ermächtigungsgrundlage) entzogen hat, hätte die Mutter im Moment keinerlei Möglichkeiten eine zwangsweise psychiatrische und ärztliche Behandlung ihres Kindes im ZI in Mannheim zu unterbinden. Sie befürchtet, dass Querverbindungen zwischen der Heidelberger Ärztin und dem Zentralinstitut für seelische Gesundheit bestehen könnten und das heimliche Schreiben der Ärztin an das Jugendamt dem Zweck gedient haben könnte, dass ihr Sohn an der ADHS-Studie beim ZI in Mannheim teilnehmen solle.

Die Klinik wird sehr differenziert bewertet. Die Mutter berichtet, dass nach Angaben des Jugendamtes die Klinik bereit sei das 10-jährige Kind aufgrund des Arztberichtes von Frau Dr. med. Maria Schmidbauer auf unbestimmte Zeit bei sich stationär aufzunehmen. Die Mutter fragt sich, ob die Klinik keinerlei Bedenken gegen eine zwangspsychiatrische Behandlung auf unbestimmte Dauer des 10-jährigen Kindes habe.

Wenn die Klinik bereit sei ihren Sohn aufzunehmen, dann müsse sie davon ausgehen, dass die Klinik, wie das Jugendamt und der Kindesvater keinerlei Befürchtungen habe, dass das Kind danach unter Hospitalisierungs- und Deprivationsfolgen, sowie eine traumatische Belastungsstörung aufgrund der erzwungenen Trennung von seinen Geschwistern und seiner Mutter befürchtet.

Die "Krankenhauseinweisung" hat das Amtsgericht Wiesloch durch Richterin Fürstenau - entgegen den Bestimmungen des SGB V, wonach nur ein behandelnder Arzt eine Krankenhauseinweisung vornehmen darf, per Gerichtsbeschluss "angeordnet". Der Rechtsanwalt der Mutter des Kindes rügt die für den Beschluss fehlende gesetzliche Ermächtigungsgrundlage.

Hintergrund 
Womit alles begann: Es ist ein Scheidungsverfahren anhängig. Kinder- und Jugendpsychiaterin Frau Dr. Schmidbauer aus Heidelberg übersendet ohne Wissen der Mutter ihren Arztbericht an das Jugendamt

Die Kinder- und Jugendpsychiaterin Frau Dr. Schmidbauer hat im Juli +November 2014 den 10-jährigen untersucht. Er soll Schulprobleme haben "seinen Kopf während des Unterrichts auf den Tisch legen" und sehr langsam arbeiten, weshalb u.a. wegen dieser "Auffälligkeiten" eine stationäre psychiatrische Untersuchung empfohlen und vom Amtsgericht Wiesloch, Richterin Fürstenau "angeordnet" worden ist.

Frau Dr. Schmibauer, Fachärztin für Kinder- und Jugendpsychiatrie habe die stationäre Behandlung empfohlen. Sie hat den 10-jährigen Jungen untersucht. Als die Mutter einen Folgeuntersuchungstermin aufgrund ihres mangelnden Vertrauens zu der Ärztin Dr. Schmidbauer nicht wahrgenommen hat, schrieb die Ärztin direkt an das Jugendamt ohne Rücksicht auf ihre ärztlichen Schweigepflichten:


Dem Jugendamt übermittelt Frau Dr. Maria Schmidbauer dem Jugendamt folgende "Empfehlungen":




Frau Dr. Schmidbauer verlangt die "versuchsweise" Behandlung mit Stimulanzien (Methylphenidat).Außerdem empfiehlt die Kinder- und Jugendpsychiaterin Dr. Maria Schmidbauer dem Jugendamt im Falle, dass sich die Mutter gegen eine Psychopharamka-Behandlung ihres Kindes stellen sollte, dass dem Vater die Gesundheitssorge übertragen werden sollte:
 
weiter "diagnostiziert" Frau Dr. Schmidbauer gegenüber dem Jugendamt:
und weist das Jugendamt darauf hin:
"Aktuell erscheint mir der Vater kooperativer und näher an schulmedizinischen Meinungen interessiert...."














Die Mutter beklagt sich, dass sie zur Kinder- und Jugendpsychiaterin Frau Dr. Schmidbauer kein Vertrauen gehabt habe, da Frau Dr. Schmidbauer unbedingt einen "Behandlungsversuch" mit Psychopharmka, auch gegen die Meinung des Hausarztes des Kindes durchsetzen wollte. Über Nebenwirkungen und Alternativen sei sie nicht aufgeklärt worden. Auch sei sie nicht darüber aufgeklärt worden, dass die Verschreibung von Methylphenidat nur im Rahmen einer gesicherten ICD-10-Diagnose und einem Behandlungskonzept erlaubt sei. Sie habe kein Vertrauen mehr zu Kinder- und Jugendpsychiatern mehr. Sie fragt: "Wie kann es sein, dass Frau Dr. Maria Schmidbauer ohne ihre Zustimmung einfach einen Arztbrief an das Jugendamt schreibt?"

Dazu fragt die Mutter:
1. Durfte die Ärztin über ihren Kopf hinweg die Ergebnisse der ärztlichen Untersuchung und den Behandlungsabbruch der Mutter einfach dem Jugendamt mitteilen? 


Antwort1): Nein
Die Ärztin hat einen Behandlungsvertrag mit der sorgeberechtigten Mutter geschlossen und ist gegenüber dem Kind und den Eltern zur Einhaltung der ärztlichen Schweigepflicht verpflichtet. Die Übersendung des Arztberichtes an das Jugendamt stellt eine Datenschutzverletzung und eine Verletzung der Berufspflichten der Ärztin (dazu Infos der Landesärztekammer Baden-Württemberg) zu Lasten der Eltern und des Kindes dar. Ein rechtfertigender Notstand ist nicht erkennbar.
Rechtliche Rahmenbedingungen für Kinder und Jugendlichenpschotherapeuten


2. Durfte das Jugendamt den Arztbericht dem Familiengericht übermitteln?
Antwort 2): Nein
Das Jugendamt ist nicht befugt, Arztberichte, welche das Jugendamt unter Verletzung ärztlicher Schweigepflichten erhalten hat, ohne rechtfertigenden Notstand dem Familiengericht vorzulegen. Das Jugendamt hat die in den §§ 61 ff. SGB VIII enthaltenen Vorschriften zum Sozialdatenschutz verletzt.


3. Durfte die Ärztin dem Jugendamt empfehlen, die Gesundheitssorge der Mutter zu entziehen und dem Vater zu übertragen, da dieser "näher an schulmedizinsichen Meinungen interessiert ist"
Nein, denn es ist nicht die Aufgabe eines Arztes, seine Behandlungsansichten gegen den Willen eines Elternteiles durchzusetzen, indem diese unter Verletzung ihrer ärztlichen Schweigepflicht ihre Behandlungsvorstellungen durch Sorgerechtsempfehlungen beim Jugendamt zugunsten eines Elternteiles durchzusetzen versucht.

Die Ärztin setzt sich eventuell dem Verdacht einer "Gefälligkeitsbegutachtung" aus.Die Ärztin ist als Kinder- und Jugendpsychiaterin vor allem dem Wohl ihres minderjährigen Patienten verpflichtet. Gerade, wenn ein Kind besonders unter den Trennungsstreitigkeiten im Rahmen eines Scheidungsverfahrens leidet, ist die Ärztin als Kinder- und Jugendpsychiaterin verpflichtet, nicht durch eigene Parteinahme für einen der Streitpartner den Elternkonflikt zu verschärfen, denn dadurch wird das "Leiden" des Kindes durch die ärztliche Intervention verstärkt.

3. Darf die Ärztin bei einem Untersuchungsabbruch durch die Mutter wegen mangelndem Vertrauens behaupten, dass "der Vater gegenüber Terminabsprachen verlässlicher sei"...
Nein. Es handelt sich hier nicht um eine "ärztliche Diagnostik" des Kindes, sondern um eine persönliche Feststellung, welche nicht Gegenstand eines Arztberichtes zum Gesundheitszustand eines Kindes ist. Die Feststellung setzt die Mutter in ihrem Ansehen herab und zeigt, dass die Ärztin in ihrem subjektiven Empfinden den Vater bevorzugt, weil er ihre persönlichen Ansichten zur "Psychopharmakabehandlung  von Kindern" unterstützt. Äußerungen, welche geeignet sind, einen Menschen in seinem Ansehen herabzusetzen, stellen  einen Angriff auf die Menschenwürfe (Artikel 1 Grundgesetz) und einen Eingriff in die informationellen Selbstbestimmungsrechte der betroffenen Person dar.


4. Darf die Ärztin zwangsweise eine Psychopharmakabehandlung bei einem minderjährigen Patienten durchsetzen? Gibt es dazu gesetzliche Vorschriften?
Die Behandlung mit Stimulantien unterliegt strengen gesetzlichen Vorschriften. Behandelnde Ärzte schulden ihren PatientInnen die sog. "ärztliche Sorgfalt" und eine umfassende ADHS-Diagnostik.
Die Behandlung mit Stimulantien steht nicht im Belieben des Arztes. Ein Arzt muss bei Verschreibung verschiedene gesetzliche Bestimmungen und Vorschriften beachten.

Bedauerlicherweise liegt gerade im Bereich der Verabreichung von Psychopharmaka bei Kindern  eine erschreckende Sorglosigkeit insbesondere bei Kinder- und Jugendpsychiatern vor. Häufig werden unerwünschte Arzneimittelwirkungen von Stimulantien verleugnet, nicht beachtet und ignoriert. Möglicherweise steht dies auch im Zusammenhang mit den in der Kinderpsychiatrie fehlenden Erkenntnissen über nicht-medikamentöse psychiatrische Therapien. Medikamentöse Behandlungen entfalten eine erkennbare Wirkung, lässt man die unerwünschten Arzneimittelwirkungen außer Acht, während die Kinder- und Jugendpsychiatrie keine Belege dafür hat, ob Therapien Kinder tatsächlich effektiv helfen oder nicht.


Die Behandlung mit Stimulantien bei Kindern unterliegen aufgrund des Medikamenten-Nebenwirkungspotentials einer strengen Prüfung. Verschreibende Ärzte müssen die dazu erlassenen Arzneimittel-Richtlinien beachten.
Siehe dazu:
Zum Schutz von Kindern und Jugendlichen – Verordnung von Stimulantien nur in bestimmten Ausnahmefällen Berlin, 16. September 2010 - Die Verordnungsfähigkeit bestimmter Stimulantien wird aufgrund des Risikos, das vor allem für Kinder und Jugendliche mit der Einnahme dieser Medikamente verbunden ist, künftig noch weiter eingeschränkt, als das bisher der Fall ist.
Die Ärztin ist dabei an die sog. Arzneimittel-Richtlinien:
Richtlinie des Gemeinsamen Bundesausschusses über die Verordnung von Arzneimitteln in der
vertragsärztlichen Versorgung und
"Anlage III Nummer 44 Stimulantien des Bundesministerium für Gesundheit gebunden"

Nach dem Patientenrechtegesetz ist die Ärztin verpflichtet über unerwünschte Arnzeimittelwirkungen für den von ihr empfohlenen "Behandlungsversuch" aufzuklären:

Akutes Leberversagen unter Methylphenidat-Therapie (Aus der UAW-Datenbank)


Deutsches Ärzteblatt, Jg. 112, Heft 7, 13.02.2015 - Informationen zur Indikation und Verordnung von Methylphenidat

Methylphenidat ist im Rahmen einer therapeutischen Gesamtstrategie zur Behandlung der Aufmerksamkeits-Defizit-Hyperaktivitäts-Störung (ADHS) bei Kindern ab einem Alter von sechs Jahren indiziert, wenn sich andere Maßnahmen als therapeutisch unzureichend erwiesen haben (1). Die Behandlung muss dabei unter Aufsicht eines Spezialisten für Verhaltensstörungen bei Kindern durchgeführt werden. Eine therapeutische Gesamtstrategie sollte sowohl psychologische, pädagogische, soziale als auch pharmakotherapeutische Maßnahmen beinhalten.
Methylphenidat ist ein Abkömmling von Amphetamin und Hemmstoff der Wiederaufnahme von Noradrenalin und Dopamin. Es unterliegt der Betäubungsmittelverschreibungsverordnung und war im Jahr 2013 mit 56,7 Mio. definierten Tagesdosen das am meisten verordnete Psychostimulans in Deutschland (2).
Methylphenidat hat ein hohes Potenzial für UAW bei Kindern und Jugendlichen, wobei laut Fachinformation Schlaflosigkeit, Nervosität und Kopfschmerzen am häufigsten beobachtet werden (≥1 von 10 Patienten). Studien aus Deutschland (3), Großbritannien (4) und den USA (5) berichten, dass neben Impfstoffen Methylphenidat bei Kindern und Jugendlichen den größten Anteil der gemeldeten UAW ausmacht.
In den letzten Jahren wurde ein besonderes Augenmerk auf das Auftreten von kardiovaskulären Ereignissen gelegt. 2009 wurde von der Europäischen Arzneimittel-Agentur (EMA) ein Risikobewertungsverfahren zu kardio- und zerebrovaskulären Ereignissen durchgeführt, in dem auch psychiatrische Erkrankungen sowie Einflüsse von Methylphenidat auf das Wachstum und die sexuelle Reifung untersucht wurden. Die Bewertung ergab ein positives Nutzen-Risiko-Verhältnis, es wurde keine Notwendigkeit gesehen, die Verschreibung von Methylphenidat einzuschränken. Die Rahmenbedingungen für die Verordnung des Wirkstoffes wurden jedoch konkretisiert (6). Darüber hinaus wurde festgestellt, dass verlässliche Daten zur Langzeitsicherheit von Methylphenidat fehlen.
Die Studie von Angold geht davon aus, dass im Bereich des Aufmerksamkeits-Defizit-Syndroms 72% der gestellten Diagnosen eine Fehldiagnose darstellen (vgl.: Angold, A., Erkanli, A., Egger, H. L., & Costello, E. J. (2000). Stimulant Treatment for Children: A Community Perspective. Journal of the American Academy of Child and Adolescent Psychiatry, 39, 975-984.)

Zum Thema "Psychopillen" für Kinder gibt es zwischenzeitlich viele ernstzunehmende Quellen und Filmdokumentationen mit entsprechenden Recherchen und Erfahrungsberichten hier:
Youtube  siehe dazu auch den Blogbericht der Autorin zur ZDF-Sendung: Pillen für die Psyche. Werden unsere Kinder krank gemacht?

Fortsetzung folgt.....

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