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Donnerstag, 10. Juni 2010

Pflegekind wird "Scheidungsopfer" .....Pflegemutter wird "Alleinerziehende"

Wenn Eltern sich scheiden lassen, dann leiden Kinder. Scheidungen haben Vorgeschichten, es gibt Streitigkeiten, Kommunikationsstörungen und Spannungen unter welchen insbesondere Kleinkinder leiden.

Der kleine Junge, von welchem ich hier schreibe, wird im Juni drei Jahre alt. Nennen wir ihn Benjamin*. Benjamin hat schon ein aufregendes Kinderleben hinter sich. Seiner Mutter ist er gleich nach der Geburt weggenommen worden. Er durfte bereits im Mutterleib den heftigen Seelenschmerz der Mutter miterleben, denn schon vor der Geburt stand beim Jugendamt fest:

Das Kind kommt in eine Pflegefamilie. Aus der Wissenschaft ist bekannt: Stress im Mutterleib wirkt sich bereits vor der Geburt auf die seelische Entwicklung aus. Weiter ist bekannt, dass ein Neugeborenes, die Stimme und den Geruch seiner Eltern kennt. Es hat gewissermaßen schon eine "Vorstellung" von seiner kleinen zukünftigen Umwelt. Verständlich, dass bereits für ein Neugeborenes die Trennung direkt nach der Geburt eine seelische Belastung darstellt. Wer die Forschungsergebnisse zur seelischen und körperlichen Gesundheit hinsichtlich des Stillens kennt, weiß auch, dass das Abstillen direkt nach der Geburt gleichfalls ein Eingriff in eine gesunde seelisch-körperliche Entwicklung ist.

Man sollte annehmen, dass ein solcher Eingriff in das Leben einer Mutter und eines Neugeborenen nur gemacht wird, wenn das Kindeswohl des Neugeborenen akut gefährdet ist. Leider gibt es immer wieder Fälle, in welchen Jugendamtsmitarbeiter diesen Eingriff vornehmen, sobald sie vermuten, dass irgendwann im Leben des Kindes eine Kindeswohlgefährdung auftreten könnte. Diese Einschätzung hängt ganz von der Einstellung und den persönlichen Vorstellungen des jeweils betreuenden Jugendamtsmitarbeiters ab.....

Zurück zum Fall "Benjamin":

Damit die Übergabe von Benjamin gleich nach der Geburt an die Pflegeeltern reibungslos vonstatten gehen konnte, ist die Mutter durch die Initiative des Jugendamtes zwangsweise in eine psychiatrische Klinik gebracht worden und musste zwangsweise einen Kaiserschnitt über sich ergehen lassen. Obwohl sich die Mutter weigerte: die Ärzte der psychiatrischen Klinik haben das Jugendamt dabei unterstützt. Immerhin erzielen diese dort noch gute Nebenverdienste, indem sie - dank der guten Zusammenarbeit - vom Jugendamt beim Familiengericht als "Gutachter" in familiengerichtlichen Verfahren empfohlen werden....
(Damit hier keine Missverständnisse entstehen: die Geschichte von "Benjamin" ist einer jener Einzelfälle, welche von Betroffenen berichtet werden, so dass zu hoffen bleibt, dass dieser Fall eine "unrühmliche" Ausnahme von der Regel darstellt.)

Die Pflegeeltern, welche sich sehnlichst ein Kind gewünscht hatten, haben sich natürlich sehr über das Neugeborene gefreut. Der kleine Benjamin durfte seine Mutter nur in Begleitung mit seiner Pflegemutter kennen lernen. Damit von Anfang an der kleine Benjamin auch lernen konnte, dass nun seine "richtigen" Eltern die Pflegeeltern sein sollten, hat das Jugendamt der Mutter verboten, ihren kleinen Jungen zu liebkosen und in den Arm zu nehmen. Auch wenn er im Spiel hingefallen war....das Trösten war nur der Pflegemutter vorbehalten.

Das "Glück" der Pfegefamilie hielt nicht lange an. Sie begannen zu streiten, zu schweigen, sie lebten sich auseinander und lassen sich nun scheiden.

Die Pflegemutter zieht mit ihrem Pflegekind nach Norddeutschland. Ob sie so weit wegzieht, weil sie hofft, dass dort der kleine Benjamin wenigstens sicher vor den gewünschten Besuchtskontakten seiner Mutter sein könnte?  Denn diese hat bislang keine Ruhe gelassen. Sie hat nicht eingesehen, dass sie für ihr Kind nicht Mutter sein darf. Immer wieder rückte sie dem Jugendamt auf die Pelle. Sie kämpft vor Gericht und sie lässt nicht locker. Die Besuchskontakte werden ihr schwer gemacht:

Geschickt hat das Jugendamt ihre drei Kinder verstreut untergebracht. Drei Jugendämter sind zuständig und der Mutter bleibt es überlassen, wie sie das Geld aufbringt um die aufwendigen Fahrten zu ihren Kindern für Besuchszwecke zu finanzieren. Wenn sie kein Geld für Besuche hatte und die Fahrtkosten nicht bezahlen konnte, haben sich die Jugendämter gefreut. Im Bericht stand dann: "Die Kindesmutter hat den Besuchskontakt nicht wahrgenommen". Natürlich steht dort nicht, dass die Mutter den herbeigesehnten Besuchtskontakt nicht wahrnehmen konnte, weil sie das Fahrtgeld nicht hatte.

Die Besuchskontakte waren für die Mutter auch nicht gerade schön: Wie soll auch eine Mutter Kontakt zu ihrem Kind aufnehmen, wenn die Pflegemutter und die Jugendamtsmitarbeiterin ständig daneben sitzt und jedes Wort und jede Geste negativ kommentiert. Kein Wunder, dass das Jugendamt irgendwann anfing zu schreiben, dass die Besuche für das Kind irgendwie belastend seien.....

Nun zieht Benjamin mit seiner Pflegemutter nach Norddeutschland..... Zu seinen Geschwistern hat Benjamin auch keinen Kontakt. Wozu auch? Es gibt kein Recht eines Kindes, zusammen mit seinen Geschwistern groß zu werden, auch wenn manche erwachsene Heim- oder Pflegekinder später davon sprechen, dass man ihnen ihr "Familien"-Leben gestohlen hätte.....

Ganz selbstverständlich wird unterstellt, dass Eltern einfach so zu ersetzen sind. Eltern dürfen aus dem Leben eines Kindes ausgelöscht werden. Juristisch gesehen, scheint dies alles nur dem Kindeswohl zu dienen. Wenigstens argumentiert das Jugendamt und die Vormündin in dieser Form.

Wenn die ehemaligen Pflege- und Heimkinder als Erwachsene dann Fragen stellen oder sich darüber grämen, dass sie nicht zusammen mit ihren Geschwistern aufwachsen durften oder ihre Geschwister kaum kennen und die Eltern, welche sie immer geliebt haben, für sie zu Fremden geworden sind, dann war dies vielleicht doch ein Leben vorbei an den Kindesinteressen ??......

Leider interessiert sich niemand dafür, wie sich die "Ehemaligen" fühlen.  Jene, welche über das Kindeswohl Entscheidungen treffen, treffen diese nämlich aus Erwachsenensicht. Vielen bleibt die Kindersicht für immer verborgen.

Zum Glück gibt es auch Jugendämter und Jugendamtsmitarbeiter, welche auch noch mit Kinderaugen sehen, mit Kinderherzen fühlen und mit Kinderohren hören. Jene, welchen solches Glück zuteil geworden war, sollten einmal daran denken, seinem(r)/ihrem(r) Sozialarbeiter/Sozialarbeiterin einmal "DANKE" zu sagen.......


Für die Vormündin von Benjamin ist alles in Ordnung. Sie glaubt, dass ihr Mündel am Besten mit seiner Scheidungs-Ersatzfamilie bedient ist. Die Ersatzfamilie hat - so schreibt sie - auch eine gute Lösung gefunden und die Kindesmutter bleibt außen vor.

Gerne würde die Mutter mit dem Pflegevater tauschen. Von solchen Umgangsmöglichkeiten hat sie immer geträumt:
Denn laut Vormündin darf der Pflegevater regelmäßig das Kind alle 14 Tage über das Wochenende sehen und sogar zwei Wochen mit ihm zusammen und den Ersatz-Pflege-Großeltern den Sommerurlaub auf Borkum verbringen.....

Für das Jugendamt und die Vormündin ist das Kinderglück von Benjamin damit gesichert. Ob das Benjamin später auch einmal so sieht?

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