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Freitag, 8. Januar 2010

Scheidung; Verspielte Ansprüche durch überschießende Emotionen - wichtig: Ruhe bewahren!

Immer wieder bekomme ich Anfragen von betroffenen Scheidungseltern. Dabei handelt es sich um Männer und Frauen, welchen das Sorgerecht entzogen oder welche vom Umgang ausgeschlossenen worden waren.

Die Ergebnisse der Scheidungsfolgenforschung  belegen ausdrücklich, dass Scheidungskinder sich am Besten entwickeln, wenn sie zu beiden Elternteilen einen regelmässigen Kontakt haben und von den Scheidungseltern bezüglich der vorhandenen Streitereien in Ruhe gelassen werden. Betroffene, die diesen Spagat schaffen, ersparen ihren Kindern viel Leid .

Manche Gerichte praktizieren das "Cochemer Modell" (Cochemer Modell, Die Cochemer Praxis (Cochemer "Modell"). Was steckt dahinter?. Leider klappt dieses Modell nur in wenigen Gerichtsbezirken oder es fehlen Personen, welche ein Interesse haben das Modell umzusetzen. Bei diesem Modell werden Eltern aus meiner Sicht in vertretbarer Weise quasi zu "ihrem Glück gezwungen". Denn:

Für Scheidungskinder sind beide Elternteile gleichermaßen wichtig. Kinder brauchen sowohl männliche, als auch weibliche Vorbilder. Sie lieben in der Regel beide Elternteile gleichermaßen, weshalb Kinder bei einer Scheidung damit umgehen lernen müssen, dass es beide Elternteile nur noch in "getrennter" Form haben kann. FamilienrichterInnen, welche Gutachter beauftragen, festzustellen zu welchem Elternteil das Kind die stärkeren Bindungen habe, verkennen, dass nur in Einzelfällen derart ungleichgewichtige "Bindungen" bestehen, welche gutachterlich erfassbar sind. In der Mehrheit der Fälle müssten ehrliche Gutachter dem Familiengericht mitteilen, dass auf wissenschaftlicher und beweiserheblicher Basis eine solche Beweisfrage nicht beantwortet werden kann.

Durch solche Gutachtenaufträge und Nachforschungen zu dieser Frage, werden Kinder in zusätzliche Loyalitätskonflikte getrieben. Erwachsene sollten wissen, dass - bis auf wenige Fälle - Kinder in größte (seelische) Not geraten, wenn sie auf diesem Wege gezwungen werden, sich zwischen Elternteilen entscheiden zu müssen.

Loyalitätskonflikte sind auch ohne weitere äußere Einwirkungen zunächst eine natürliche Folge einer Scheidung und daher auch für Jugendämter und Gerichte kein Grund in überzogener Weise in das elterliche Sorgerecht einzugreifen oder über die staatliche Wächterposition Elternteilen Vorschriften zu machen, welche dazu führen, dass z.B. Umgangstermine mit dem nicht aufenthaltsbestimmungsberechtigten Elternteil nicht stattfinden.

Dazu ein Beispiel des Jugendamtes Aachen:

Die hier offenbar pädagogisch wenig kompetente Jugendamtsmitarbeiterin des Jugendamtes Aachen, handelte entgegen ihren gesetzlichen Pflichten gem. § 17 SGB VIII, indem sie nicht vermittelnd zwischen den Eltern tätig geworden ist und das betroffene Kind in seinenr von der Mutter bestärkten Ängsten noch gesteigert hat, indem sie sich selbst der Ansicht angeschlossen hatte, dass der Kindesvater beabsichtige, das Kind nicht mehr zur Mutter zurückbringen zu wollen. Diese Jugendamtsmitarbeiterin hatte dann ein Gutachten über den Vater beantragt, weil sie ihm unterstellte er sei nicht erziehungsfähig.  Im Gutachten ist nachzulesen, dass dieses Kind gerne bei seinem Vater sei und es zu beiden Elternteilen eine positive Beziehung hätte. Schon daran wird deutlich, dass hier eine Jugendamtsmitarbeiterin durch Parteinahme für den mütterlichen Elternteil und die Bestärkung der ggf. von der Mutter eingeredeten Vorbehalte gegenüber dem Vater gerade die tatsächlich vorhandenen Loyalitätskonflikte des Vaters verstärkt hat. Laut Angaben des Vaters habe diese Jugendamtsmitarbeiterin ihm gegenüber angedeutet, dass er akzeptieren solle, dass sein Kind nunmehr einen neuen Vater (= der Freund der Mutter) habe. Im Übrigen hat diese Jugendamtsmitarbeiterin einen zweimaligen Grundschulwechsel des Kindes dem Kindeswohl dienend befürwortet. Ich kann als Erziehungswissenschaftlerin dieser völlig absurden Argumentationsweise der Jugendamtsmitarbeiterin überhaupt nicht mehr folgen. Anbei ein Ausschnitt aus einem Schreiben der Jugendamtsmitarbeiterin an den Vater, in welchem sie in Verkennung ihrer Mediatorenaufgabe (§ 17 SGB VIII) über die angeblichen Wünsche des Kindes einen Umgangstermin vereitelt:










Etliche Jugendämter gehen so weit, dass sie angesichts der vorkommenden elterlichen Streitigkeiten - angeblich zum Wohle des Kindes, dann empfehlen beiden Elternteilen das Sorgerecht zu entziehen und das Kind zum "Schutze des Kindeswohles" im Heim unterzubringen. Leider scheint derzeit eine Tendenz in diese Richtung zu gehen, so dass solche Kinder gleich mehrfaches Leid ertragen müssen:
  • Sie werden vom Jugendamt gezwungen auf die geliebten Elternteile zu verzichten, wobei die Gefahr besteht, dass sich das betroffene Kind für die Scheidungsstreitigkeiten der Eltern veranwortlich fühlt und dadurch psychischen Schaden nimmt.
  • Die natürlich gegebene Anonymität einer Heimerziehung, oftmals verbunden mit einer Geschwistertrennung führt zu verstärktem Empfinden von Einsamkeit, des Unverstanden- und Verlassenseins des Kindes
Damit wird der vermeintliche Schutz des Kindeswohls durch die Mitwirkung von Jungedämtern auf diese Art in sein Gegenteil verkehrt: Das Leid der Kinder wird vervielfacht. Die betroffenen Kinder werden schwer traumatisiert. Die Trennung der Kinder von den Scheidungseltern lässt die Kinder nicht, wie oft behauptet, zur Ruhe kommen, sondern Kinder erleben ihre Hilflosigkeit und fühlen sich den Weisungen von Erziehern ausgeliefert.  All das trägt dazu bei, dass so betroffene Kinder gesteigerten seelischen Schaden nehmen.


Insofern kann ich Scheidungseltern nur raten:
Streiten Sie sich, aber bitte nicht um die Kinder und nicht vor den Kindern. Ihre Kinder geben sich in solchen Fällen gerne die Schuld für ihre Streitereien. Ihre Kinder bezahlen die Rechnung und sie risikieren die Zuneigung ihrer Kinder zu verlieren. Sorgen Sie dafür, indem Sie bezüglich ihrer Kinder ihre "Ansprüche an ihr Kind" hinten anstellen und die Wünsche und Bedürfnisse Ihres Kindes stärker beachten, dass Jugendämter keinem Handlungsdruck ausgesetzt werden, um dann bei Eskalationen ihrer Streitigkeiten mit nicht nachvollziehbaren Argumenten eine angebliche Kindeswohlgefährdung zu konstatieren und ihre Kinder damit indirekt für Ihre Streitereien bestrafen.

Nun werden Sie zu Recht einwenden:
Es ist grausam, wie mein Partner streitet oder gar vor Gericht Lügen verbreitet, und/oder wie nicht einmal Kindesunterhalt bezahlt wird, wie der Hausrat und andere Dinge aufgeteilt werden. Manchmal ist es ein Kampf, welcher manchen Betroffenen den letzten Nerv kostet.

Die "Lösung" liegt vielfach im Kompromiss und der Bereitschaft, um der Kinder Willen, sich wenigstens hier entgegenkommend zu verhalten:
So ist es wenig zweckdienlich, nunmehr ein "Frauen-" oder "Männerfeindbild" aufzubauen. Für mich ist sehr interessant, festzustellen, dass beide Geschlechter zu allerlei "Schandtaten" in dieser emotional hoch aufgeladenen Situation imstande sind. Einerseits sollten hier BeraterInnen, RechtsanwältInnen und FamilienrichterInnen oft auch beide Augen zudrücken, ob der aufgeladenen Emotionen und nicht alles und jedes auf die Goldwaage legen, andererseits gilt es das Streitpaar immer wieder freundlich daran zu erinnern, dass bei allen Streitigkeiten die Interessen der Kinder nicht aus dem Blickfeld geraten. Leider bekomme ich oft zu hören, dass Jugendamtsmitarbeiter auf völlig unprofessionelle Weise oft für einen Elternteil Partei ergreifen und dadurch die vorhandenen Zwistigkeiten drastisch steigern. In einigen Fällen führten erst Interventionen von Jugendamtsmitarbeitern, oder durch gerichtliche Anweisungen und/oder gutachterlichen Parteinahmen zur Zerstörung jeglicher noch vorhandener Kompromissmöglichkeiten und zu einer drastischen Belastung der gesamten familiären Verhältnisse in der Scheidungssituation.

Betroffene, welche ihren Emotionen allzu freien Lauf lassen, landen meiner Beobachtung nach dann in schmerzlichen Sackgassen. Wer beleidigt oder aus Zorn handgreiflich wird, wer in dieser Situation seine Emotionen nur schwer unter Kontrolle bekommt, erfährt nicht etwa Verständnis oder wie es möglicherweise hilfreich wäre, einen verständnisvollen Begleiter oder psychologischen Berater. Auch lösen überschießende emotionale Reaktionen bei den "Helfersystemen" nur eine Bestätigung von unreflektierten Vorurteilen aus. Die notwendige Selbstreflexion in solchen Situationen, die Klärung über Ursache und Wirkung findet in den Helfersystemen (Jugendamtsmitarbeiter, Familiengerichte und Gutachter) in der Regel nicht statt. Hier wird deutlich, dass die sozialpädagogischen Qualifikationen sehr zu wünschen übrig lassen und Juristen in der Regel nicht über Fähigkeiten verfügen, welche sie in die Lage versetzen eine sinnvolle Mediation durchzuführen. Eigentlich ist dies auch nicht Aufgabe der Juristen, sondern vielmehr gem. §17 SGB VIII der Jugendamtsmitarbeiter.

Überschießende Emotionen, welche über Beleidigungen oder Handgreiflichkeiten zum Ausdruck kommen, ebnen oftmals den Weg zum Sorgerechtsentzug. Eltern dürfen nicht vergessen, dass ihre Kinder kein Besitz, sondern eigenständige Wesen mit eigenen Bedürfnissen und Wünschen sind.

Ein Elternteil, welches vor seinem Kind zu sehr "flippt" läuft daher große Gefahr die Liebe seines Kindes zu ihm zu verspielen und ihn komplett in die Arme seines "Ex-Partners" oder gar in die Arme des Jugendamtes zu treiben. So wünsche ich allen die Kraft ihren gesunden Menschenverstand nicht wegen der eigenen verletzten Emotionen, vielleicht auch Eitelkeiten oder wegen eines vorübergehenden wirtschaftlichen Notstandes zu verlieren. Wer allzusehr den Streit um das Kind vor dem Kind betreibt, sorgt oft selbst dafür, dass sich das Kind von ihm/ihr abwendet.

Das Leben in der Scheidungssituation  geht bzw. sollte auch für ihre Kinder weitergehen und es gibt für Ihre Kinder und Sie noch andere Themen, als "nur" ihre Scheidung. Sie und ihre Kinder sollten bei allen Problemen niemals vergessen, dass sie auch unter schwierigen Bedingungen miteinander lachen, spielen und Spaß haben.

In diesem Sinne wünsche ich allen Scheidungseltern und ihren Kindern alles Gute.

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