Sonntag, 29. November 2009

Familienpsychologische Gutachten sind für die Urteilsfindung oft "unverwertbar"

Seit der Ausstrahlung des Filmbeitrages über GWG-Gutachten in der ARD-Sendung "plus+-minus" sind nunmehr 8 1/2 Jahre vergangen. Dort werden psychologische Gutachten der GWG untersucht und über gravierende Mängel berichtet. Trotzdem hat sich seither nichts geändert. Immer noch werden familienpsychologische Gutachten von FamilienrichterInnen gutgläubig für ihre Urteilsfindung übernommen und damit ohne jegliche beweiserhebliche Grundlage familiäre Schicksale geschrieben:

Interviews / Mitwirkung bei ARD-Fernsehbeiträgen von Dr. Werner Leitner
zum Thema familienpsychologische Gutachten:

- Plusminus

- Fakt



Mit Gutachten kann man viel Geld verdienen. 
Die GWG ist ein erfolgreiches Unternehmen. Ihr Hauptauftraggeber: deutsche Familiengerichte.

Die Geschäftsführer Salzgeber und Stadler gelten als anerkannte Fachleute - 65 freie Psychologen arbeiten für die GWG.


Beispiel: Psychologisches GWG- Gutachten von Sybille K.:
Vater (Pädagoge!) darf Kinder nicht sehen, weil die starke Liebe zum Sohn den Sohn überfordern würde....
(Anmerkung: Zwar existieren vom BDP entwickelte Qualitätsstandards für psychologische Gutachten. Diese sind allerdings nicht vorgeschrieben! )



Dr. Leitner prüft Gutachten und stellt im Bericht fest:
" Die in diesem Rahmen gemachten Aussagen und Empfehlungen entbehren einer erforderlichen wissenschaftlichen Grundlage bis hin zu elementarsten Forderungen, die an wissenschaftliche Arbeiten gestellt werden."
Nach Dr. Leitner seien besonders die verwendeten Tests fragwürdig. Beispiel:

 "Familie in Tieren" - Dieser Test kann keine gesicherten Erkenntnisse liefern!
Im Fall K. war die Mutter vom Kind mit einem Koala-Bären verglichen worden. Die Psychologin interpretiert dazu: Die Mutter sei als Beschützerin für das Kind zuständig.
Warum dies so ist, begründet die Gutachterin nicht.
....vielleicht hatte das Kind kurz zuvor einen Koala -Bären geschenkt bekommen?
Dr. Leitner: "Dies hat zur Konsequenz, dass die Schlussfolgerungen relativ willkürlich sind und keine wissenschaftliche Haltbarkeit für sich beanspruchen können, aber dennoch in die Entscheidungen unserer Gerichte mit einfließen."

Prof. Dr. Klenner: "Ich habe festgestellt dass diese Gutachten derart viele Fehler enthalten, dass sie für das Gericht unbrauchbar sind."
Prof. Dr. Wolfang Klenner analysierte 6 andere Arbeiten der Psychologin. Er stellt fest, dass diese derart viele Fehler enthielten, dass sie für das Gericht als Entscheidungshilfe nicht verwertbar waren:
Gespräche seien nicht analysiert worden. Aus den Gesprächen seien sofort  "Befunde" erstellt worden, deren Begründung  im Vorhergehenden nicht zu finden gewesen waren. Bei den Tests, so Prof. Dr. Klenner, habe sich die Gutachterin als "schreckliche Vereinfacherin" erwiesen. Es gäbe aber durchaus Tests, die wissenschaftliche Kriterien erfüllen.
Dr. Leitner: "Es fällt zunächst einmal auf, dass immer wieder die gleichen Tests in den GWG Gutachten verwendet werden. Das sind Tests die relativ schnell und leicht durchführbar sind und auch sehr einfach ausgewertet werden können. Es hat den Anschein, dass es sich um eine Fließbandbegutachtung handelt, die der Individuallage eines entsprechenden Falles nicht gerecht werden kann."
Beispiele zu verschiedenen Tests

Zum Beispiel: Der beliebte Sceno-Test:
Der Sceno-Test verursacht wenig Arbeit und bietet sehr viel Spielraum zur freien Interpretation des Gutachters. Die Kinder müssen sich eine Spielsituation ausdenken und die Gutachter "interpretieren" daraus die Lebenssituation bzw. psychische Situation des Kindes:
  • In einem Fall ließ das Kind ein Krokodil der Spielfigur "Mutter" ins Bein beißen...dies stehe für"Aggression des Vaters gegen die Mutter".....so die Interpretation ...eine fundierte Begründung liefert der Gutachter nicht.
Ein weiterer beliebter Test ist der Fabeltest:
  • Das Kind soll 3 Wünsche formulieren.In einem Fall äußerte das Kind folgende Wünsche: "Engel, Kaufladen und Küche".Kurios und ohne jegliche Begründung sei die zugehörige Schlussfolgerung des Gutachters: Das Kind bevorzuge materielle Dinge und sei daher in der Lage sich vom familiären Trennungsgeschehen zurückzuziehen."
Dr. Leitner meint dazu:
"Man hat den Eindruck, dass mit dem Schicksal vieler betroffener Kinder und Eltern sehr leichtfertig umgegangen wird und letztlich dabei auch noch gut dabei verdient wird."
 Die Erstellung von familienpsychologischen Gutachten ist ein lukratives Geschäft!
Die GWG verdient zwischen 10 bis 20% an den Gutachten als Dachorganisation mit. Ein Gutachten kostet (zwischenzeitlich) zwischen ca. 3.000 bis 7.000 Euro.
GWG Geschäftsführer Salzgeber meint im Interview: "Ich will nicht verhehlen, dass ein Gutachter nicht immer optimal begutachtet oder den Rapport zu den Eltern nicht immer perfekt herstellen kann. Natürlich gibt es auch bei der GWG Gutachten die das ein oder andere Mal hätten verbessert werden können."
FAZIT:
Die Einhaltung von Qualitätskriterien in familienpsychologischen Gutachten ist nicht vorgeschrieben, Richter können die Qualität eines Gutachtens nicht beurteilen....auch 8 1/2 Jahre nach dieses Stellungnahmen....

Prof. Dr. Uwe Jopt: "Ich kenne nichts Vergleichbares, wo soviel Narrenfreiheit gegeben ist...." 

und so wird ohne jegliche Verbesserung auch nach 8 1/2 Jahren festgestellt: Es hat sich nichts geändert. Gutachter bestimmen vielfach ohne irgendwelche wissenschaftlichen Grundlagen familiäre Schicksale und greifen damit in unverantwortlicher Weise in die Zukunft und das Leben von Eltern und Kindern ein!

1 Kommentar:

  1. der obige link funktioniert nicht mehr dafür dieser mit dem richtigen Video:
    http://de.video.yahoo.com/watch/3232443/9123396

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