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Samstag, 31. Oktober 2009

Vorsicht Falle: Leitender Psychologe eines Kinderheimes erpresst alleinerziehende Mutter

Ahnungslos hat eine Mutter Rat gesucht, weil ihr pubertierendes Kind - wie eben in diesem Alter üblich - Probleme machte. Auf Empfehlung gelangte sie an einen Psychologen eines Kinderheimes. Das Kinderheim gehört einer großen kirchlich-gemeinnützigen Trägerschaft an. Für die "Therapie"verlangte der Psychologe die Krankenkassenkarte des Kindes. Diese hat er - wie dies üblicherweise nur Psychologische Psychotherapeuten und Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeuten tun bzw. tun dürfen, in einem Kartenlesegerät eingelesen.

Nachdem der Therapeut der Mutter ankündigte, dass er das Kind durch eine umfangreiche Testbatterie ziehen wollte und Überlegungen anstellte, dass die Pubertätsprobleme möglicherweise einer geminderten Intelligenz geschuldet seien, fragte sich die Mutter, ob sie die Hilfe welche sie gesucht hat, hier bekommen würde. Es ginge ihr darum, Hilfe zu bekommen, wie sie mit den präpubertären Problemen ihrer Tochter umgehen könne. Im Übrigen habe das Kind gute Schulleistungen aufzuweisen, trotz Rechenschwäche. .

Der Therpeut mutmaßte "tiefergehende" Probleme beim Kind, weil es sich nicht ausreichend darüber geäußert habe, dass die Mutter mit ihm Probleme hätte. Es käme daher in Frage, dass das Kind - trotz ordenlicher Schulleistungen in der Grundschule  - intelligenzgemindert und überfordert sei. Möglicherweise müsse eine Umschulung (Sonderschule?) avisiert werden.

Der Mutter kam das alles suspekt vor, insbesondere, dass der Psychologe meinte, das Jugendamt solle ihr bei ihren Erziehungsproblemen  helfen. Die Mutter wunderte sich darüber, dass ein Psychologe als Ansprechpartner für kompetente Erziehungsberatung ausgerechnet ein gemeinsames Gespräch mit der für Sie zuständigen Mitarbeiterin des Jugendamtes führen wollte, obwohl er als Therapeut doch hierfür besser ausgebildet sein müsste. Die Mutter hatte bereits nach der dritten Sitzung ein "ungutes" Gefühl und kündigte an, dass sie einen Therapeutenwechsel vornehmen wolle.

Dabei geschah Erstaunliches: Der Psychologe kündigte der Mutter an, er sei gesetzlich gezwungen, wegen angeblicher "Gefährdung des Kindeswohles" auch gegen ihren Willen das Jugendamt einzuschalten. Auf seine gesetzliche Schweigepflicht hingewiesen behauptete der "Therapeut", dass er sich strafbar machen würde, wenn er keine Meldung beim Jugendamt tätige. (siehe dazu Blogbeitrag zur Schweigepflicht!: Privatsphäre: Was darf das Jugendamt und was nicht?) Der Mutter war bekannt, dass sie nach probatorischen Sitzungen einen Therapeutenwechsel vornehmen kann, so dass sie darauf pochte, einen Therapeuten zu suchen, dem sie vertrauen konnte.

Der Therapeut verschärfte daraufhin seine Gangart und setzte der Mutter eine Frist, wonach sie ihm bestätigen solle, dass sie mit seinen Vorschlägen bezüglich der weiteren Vorgehensweise einverstanden sei, dann würden seine Informationen an das Jugendamt "milder" ausfallen.

Die betroffene Mutter hat mich angerufen und ich hatte ihr geraten, sich an die zuständige Kassenärztliche Vereinigung und an die Psychotherapeutenkammer zu wenden. Dabei trat erneut Erstaunliches zutage:

Jener Therapeut besitzt keine Zulassung über die Kasse abzurechnen ! Warum also benötigte er die Krankenkassenkarte des Kindes und warum hat er diese in einem Kartenlesegerät eingelesen?

Sollte hier etwa ein Abrechnungsbetrug vertuscht werden? Droht der Psychologe deshalb mit der Einschaltung des Jugendamtes, damit hier nicht etwa rechtlich fragwürdige Vorgehensweisen auffliegen? Oder verschafft sich das Kinderheim, in welchem der Psychologe beschäftigt ist, mit Hilfe des Jugendamtes auf diesem Wege sein eigenes Klientel?

Eine Nachfrage beim Vorstand des Heimträgers hat zwischenzeitlich ergeben, dass jener Psychologe vermutlich einer nicht genehmigten Nebentätigkeit nachgeht. Der Vorstand der Einrichtung wollte diese Angelegenheit überprüfen.

Dieser Fall zeigt, dass Beschäftigte derartiger Einrichtungen ohne Wissen der Trägerschaft eigenmächtig handeln und dass es sich lohnt, sich in solchen Fällen an die Geschäftsführer und Vorstände der Trägerschaften der Einrichtungen zu wenden. Denn Eines ist klar: Ein seriöser Träger würde solche Vorgehensweisen niemals gut heißen. So hat mir der zuständige Vorstand für diesen Fall versichert, dass er umgehend einschreiten werde und jene Mutter - sofern nicht schon geschehen - keine Kompetenzüberschreitungen dieses Mitarbeiters zu fürchten brauche.


FAZIT:
In diesem Fall ist meine Beschwerde vom Träger sehr ernst genommen worden. Was ähnlich Betroffene wissen sollten:
Wenden Sie sich in derart "merkwürdigen" Fällen nicht an die Heimleiter, sondern an die Leitung der Heimträger. Oft haben die übergeordneten Träger auch eine eigene Beschwerdestelle. Dort sollten Sie sich hinwenden, wenn Sie der Auffassung sind, dass einzelne Mitarbeiter oder auch Heimleiter ihre Kompetenzen und Befugnisse maßlos überschreiten.

In diesem Fall hat die Mutter Strafanzeige gestellt:
Folgende strafbare Handlungen kommen hier möglicherweise in Frage:
  • 1. Titelmissbrauch (Psychotherapeut ist ein geschützter Titel und diesen dürfen nur Diplom Psychologen mit einer Zusatzausbildung zum Psychologischen Psychotherapeuten oder Diplom Pädagogen / Sozialpädagogen mit einer Zusatzausbildung zum Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeuten, führen)
  • 2. Abrechnungsbetrug (die Verwendung eines Kartenlesegerätes und die Abrechnung mit der Krankenkasse ohne Approbation ist unzulässig - hier wird zu klären sein, ob das Kartenlesegerät nur zum Schein verwendet worden ist, d.h. um den Eindruck zu erwecken dass der "Therapeut" abrechnungsbefugt sei.
  • 3. Nötigung (Drohung mit dem Jugendamt)

Ist Ihnen etwa Ähnliches widerfahren, dann bitte ich Sie, sich bei mir zu melden.

1 Kommentar:

  1. Guten Tag Frau Armand,

    Ich kenne auch eine Einrichtung in der auch solche Zustände herrschen.
    Mütter werden gezwungen ein Schriftstück zu unterschreiben,indem sie dem Leiter die volle Vollmacht über ihr Kind geben müssen.
    Sie treten damit das Sorgerecht ab,es wird ihnen damit angedroht,wenn sie die Einrichtung verlassen ,ihre Kinder dort zu lassen ,den Müttern bleibt nicht anderes übrig.
    Ihnen steht immer dieser Vertrag vor den Augen,ohne zu wissen,das nur ein Richter diese Entscheidung tätigen darf .
    Ich bin schon seid Monaten mit dieser Einrichtung beschäftigt,und mittlerweile wissen wir das der Leiter,nicht das ist für was er sich aus gibt.
    Es muss den Mütter,Kindern und Jugendlichen schnellstens geholfen werden.

    Mit freundlichen Gruß
    Heike.L

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