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Dienstag, 3. Februar 2009

Leere Jugendamtsfloskeln z.B."in konflikthaft eskalierender Weise".......

Was wir uns unter einer "konflikthaft eskalierenden Weise" vorzustellen haben, weiß nur Frau Dipl-Soz. Päd. S. vom Jugendamt der Stadt Mönchengladbach.

In ihrem Antrag auf Entzug des elterlichen Sorgerechts monierte sie mit den Worten "Auf dortige fachliche Empfehlung reagierten die Eltern in konflikthaft eskalierender Weise...." die Reaktion der Eltern auf die Feststellung, dass der sonderpädagogische Förderbedarf ihres Kindes nur im Rahmen eines Aufenthaltes in einem Kinderheim möglich sei......

Es fällt auf, dass des Öfteren von Jugendamtsmitarbeitern in Anträgen mit derart frei umschreibenden sprachlichen Formulierungen, Eltern - ohne wirkliche Begründung - in ein schlechtes Licht gerückt werden. So setzen Sozialädagogen/Sozialarbeiter offenbar ihre subjektiven Rechtsvorstellungen bei Gericht (hier Entzug des elterlichen Sorgerechts) durch.

Diese Formen werden in der Juristensprache als "unsubstantiierter" Vortrag bezeichnet. Das Problem hier ist nur, dass sich Juristen in pädagogischen bzw. psychologischen Fragestellungen nicht auskennen und offenbar daher nicht wissen, dass der Sozialpädagogin mangelnde "Substantiierung" vorgeworfen werden kann.

In "normalen" Gerichtsverfahren würde eine derartige Argumentationsweise zur Klageabweisung oder wenigstens zu einer Aufforderung von Seiten des Gerichtes führen, den Vortrag, d.h. hier den ausgesprochenen Vorwurf ausführlich zu begründen.

Es müsste gefragt werden:
  • Welche Ereignisse sind der Situation vorausgegangen (= Ausgangslage)
  • Was ist in dieser Situation genau geschehen (=Situationsbeschreibung)
  • Inwiefern haben die Eltern dazu beigetragen einen Konflikt heraufzubeschwören und diesen auch noch zur Eskalation zu bringen? (= Konfliktsituation + Mittel der Eskalation)
Was nämlich in den Augen von Frau S. eine konflikthaft eskalierende Weise sein kann, ist aus Sicht einer unbeteiligten dritten Person möglicherweise nichts anderes gewesen, als dass die Eltern die vom Jugendamt vorgeschlagene Heimunterbringung des Kindes nicht akzeptieren wollten.

Frau S. scheint möglicherweise völlig fremd zu sein, dass Eltern normalerweise ihre Kinder selbst großziehen möchten und auch darüber entscheiden möchten, wie sie ihr Kind unterstützen oder welche Formen der fachlichen Unterstützungen (z.B. Förderschule, Tageseinrichtungen für sonderpädag. Förderung)
sie ihrem Kind anbieten möchten.

Welche Eltern wären nicht in einer Konfliktsituation, wenn eine Jugendamtsmitarbeiterin nur eine einzige Möglichkeit der "sonderpädagogischen" Förderung sieht und dabei sich offenbar auch nicht um die grundgesetzlich geschützte Elternposition (= Recht und Pflicht der Eltern ihr Kind zu versorgen und zu erziehen) kümmert......?

Wie Sie an diesen Überlegungen sehen können.......hätte man allen Eltern, welche sich situationsangemessen verhalten, einen solchen Vorwurf gemacht.....

Ob die Situation so war, wie von mir unterstellt, lässt sich natürlich auch nicht eindeutig aus den Worten von Frau S. herauslesen, denn es ist die rein subjektive Wahrnehmung von Frau S.

So ist ihre Feststellung - aus pädagogisch-psychologischer Sicht - ohne Konkretisierung der situativen Variablen völlig ergebnisoffen und damit für einen, gegen die Eltern gerichteten, Vorwurf absolut unverwertbar.

FAZIT:
Es hängt ganz von der Situation ab, ob jemand "konflikthaft eskalierend" eingreift...oder sich sogar völlig normal und erwartbar verhalten hat. Eine allgemeingültige umschreibende Feststellung, ohne nähere inhaltliche Konkretisierung, lässt sich diagnostisch überhaupt nicht verwerten. Schon gar nicht lassen sich daraus irgendwelche (juristische) Schlussfolgerungen über das Verhalten der Eltern ziehen.

Erst wenn die genaue Situation bekannt wäre, könnte ein Richter zur begründeten Annahme gelangen, dass Eltern auf ihr Kind - ohne das Einwirken von dritter Seite (= Jugendamt) einen Einfluss ausgeübt hätten, welcher dem Kind Schaden zugefügt haben könnte.

In diagnostischer Hinsicht hat Frau S. vom Jugendamt Mönchengladbach daher gegen fachliche Standards verstoßen.

Leider sorgen solche unbestimmten Textbausteine oder leeren Jugendamtsfloskeln bei Familiengerichten für eine unsachliche Herabwürdigung von Eltern und in der Folge oft dafür, dass auch Gutachter sich auf die Seite solcher nebulös argumentierender Sozialarbeiter / Sozialpädagogen ziehen lassen.....

Kennen Sie auch solche "leeren jugendamtsfloskeln"......dann freue ich mich auf Ihr Kommentar.....

1 Kommentar:

  1. "das Konfliktpotenzial der Eltern ist nach wie vor hoch, sie sind nicht in der Lage den Umgang eigenverantwortlich zum Wohle ihrer Kinder zu regeln": nach anderthalb Jahren Umgangspflegschaft, die noch kurz davor in zwei Berichten der Dipl-Soz.-Päd./Umgangspflegerin "der Umgang funktioniert gut, die Eltern halten sich an die Umgangsvereinbarung, sie kooperieren gut mit der Umgangspflegerin" beschieden worden waren. Auch die Kinder seien "toll" - was sie schon vor anderthalb Jahren waren: trotzdem ist für ein weiteres Jahr diesselbe Umgangspflegerin bestellt worden, die bisher knapp 3.500 EUR abgerechnet hat und sich mit nicht mehr als 7 - 8 Telefonanrufen und einem "Besuch" bei der Mutter gemeldet hat. Es gibt keine Dokumentation, keinen Nachweis, keine Anmahnung oder gar Androhung von Konsequenzen, der Umgang hat immer funktioniert.

    Auf der Rechnung der Umgangspflegerin (die, die Mutter zur Hälfte bezahlen musste) stehen lediglich Minutenangaben: unter anderem ein 30.Februar mit 40 Minuten, eine begleitete Übergabe mit 3 1/2 Stunden, die es nie gegeben hat und Anrufen während sich die Mutter im Ausland befunden hat. Akteneinsicht wegen der hohen Rechnung der Umgangspflegschaft wurde 4 mal verweigert, dann gedroht, daß man der Umgangspflegerin mitteilen würde, daß man behauptet, sie würde betrügen (wo man nur die Rechnung sehen wollte, die man bezahlen sollte) und schließlich wurde einem ins Gesicht gesagt, daß der "Sermon", den man ablassen würde nicht dazu beitragen würde, daß man bei Gericht gerne gesehen wäre. Gemeint waren Akteneinsichtsgesuche, nachdem man mehrfach weggeschickt worden war. Der Bericht der Umgangspflegerin mit dem einzigen o.a. Satz (hohes Konfliktpotenzial) wurde auch nicht vor der Verhandlung zugeschickt, trotz mehrfacher Zusagen dies zu tun.

    Abschließend: es ist eine Unsitte in familiengerichtlichen Berufsbezeichnungen (Mediator, Umgangspfleger etc.) immer wieder den Begriff "hochstrittige" Verfahren/Familien/Komplexe etc. zu benützen - es gibt keine Gerichtsverfahren, die nicht "hochstrittig" wären - es wird damit ein Begriff gebildet, der den Beteiligten suggerieren soll, daß man es in ihrem Fall mit einer besonderen Schmutz- und Erschwerniszulage zu tun hätte.

    Der o.a. Satz hat bei der betroffenen Mutter zu einem totalen Nervenzusammenbruch vor dem Gericht geführt: Weinen, Schreien, alles Hinschmeissen-wollen, auf alles Verzichten, nur weg, weg, weg etc. etc. Die klassische Reaktion eienr Frau, die sich vergewaltigt, gedemütigt, erniedrigt und mißhandelt sieht und mit völliger Fassungslosigkeit reagiert.

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