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Montag, 24. November 2008

"Mein Ex-Mann in der JVA hat den kürzesten Weg zu den Kindern ins Heim !"

beklagt die Mutter die Unterbringungsentscheidung des Jugendamtes Osnabrück . Sie wohnt 143 km vom Kinderheim entfernt und wird sich als Hartz IV-Empfängerin die Besuche bei ihren Kindern finanziell kaum leisten können. Der wegen Vergewaltigung in der JVA einsitzende Vater der Kinder und unter Kindesmissbrauchsverdacht stehende, kann hingegen - bei seinen Freigängen - seine Kinder (mit Unterstützung seiner neuen Freundin) in etwas mehr als 30 Minuten über die Autobahn erreichen. Seinen Kindern gegenüber hatte er bereits angekündigt, sie mit einer "Entführung" aus dem Heim befreien zu wollen. (Er hatte schon vor mehreren Jahren die Kinder entführt, weil er der Meinung war, dass seine Exfrau keine gute Mutter für "seine" Kinder sei....) Zu der ganzen Geschichte:

Melanie (12 Jahre alt) und Michael (13 Jahre alt)* (Namen geändert) lebten bis vor Kurzem bei ihrer Stiefmutter. Die beiden Kinder haben eine sehr enge Bindung zur Stiefmutter. Die Beziehung zur Mutter ist durch eine jahrelange Entfremdung (PA-Syndrom) durch den Vater beeinträchtigt gewesen, was sich zum Wohle der Kinder durch die Annäherung der "Noch"-Ehefrau und Mutter ganz allmählich aufzulösen scheint. Der Vater sitzt wegen Vergewaltigung in einer Justizvollzugsanstalt, Ermittlungsverfahren wegen des Verdachtes des Kindesmissbrauchs sind am Laufen. Die Mutter hatte für die Kinder einen Sorgerechtsantrag gestellt, weil sie insbesondere für ihre Tochter eine Missbrauchsgefahr durch den Vater gegeben sah. Insbesondere der Umstand, dass der Vater eine Sozialtherapie im Gefängnis abgebrochen hatte, führte auch beim Jugendamt Osnabrück zu großen Bedenken bezüglich einer Kindeswohlgefährdung.

Im Rahmen des Sorgerechtsverfahrens wurde eine kinderlose Gutachterin aus Laer eingeschaltet. Die Gutachterin war im Jahre 1994 im sog. Montessori-Prozeß ("JETZT IST NIEMAND SICHER" Gisela Friedrichsen und Gerhard Mauz zum Krieg um den sexuellen Mißbrauch) Zitat:
Zwei Psychologinnen sind im Möllers-Prozeß als Sachverständige zur Glaubwürdigkeil der Kinder gehört worden. Lioha Fricke, 33, war für die Borkener Kinder zuständig. Sie hielt auch extremste Aussagen für verläßlich. Staatsanwalt Michael Frericks entledigte sich dieser Belastung der Anklage dadurch, daß er in der Begründung des Strafantrags bemerkte, die noch geringe forensische Erfahrung Frau Frickes sei ausgeglichen worden durch die Sachkunde der Sachverständigen Ursula Krück.
beteiligt. Damals war ihr Gutachten im Berufungsverfahren verworfen worden. Allerdings scheint die Gutachterin aus Laer seither nichts dazu gelernt zu haben. Denn weder ihr Gutachten, noch das Ergänzungsgutachten entsprechen den Mindestkriterien des Bundes Deutscher Psychologen (BDP). Wie bereits im Blogbeitrag zur "Pseudowissenschaft in familiengerichtlichen Gutachten?" beschrieben, hat die Gutachterin für alle Beteiligten, d.h. für Mutter, Stiefmutter und für den Vater eine "Erziehungsunfähigkeit" und eine dadurch "verursachte" Kindeswohlgefährdung diagnostiziert. Sie hatte empfohlen, aus diesem Grunde, Michael und Melanie aus der Familie zu nehmen und die Vormundschaft dem Jugendamt zu übertragen.

Obwohl die Gutachterin offenbar weder entwicklungspsychologische, noch Kenntnisse in der Klinischen Psychologie hat, behauptete sie noch in der mündlichen Verhandlung, dass die Misshandlungs- und Missbrauchserfahrungen in der Kindheit der Stiefmutter, diese noch für mehrere Jahre "erziehungsunfähig" mache. Einzig - durch Fakten - belegbar scheint ihre Aussage, dass der Vater eine Gefahr darstelle, da in seinem Falle ein künftiger Kindesmissbrauch nicht auszuschließen sei. Sie verband ihre Feststellungen mit der Forderung, man müsse daher der Stiefmutter alle Kinder wegnehmen. Der Umstand, dass die Stiefmutter sich nicht von der sozialpädagogischen Familienhilfe, sondern von einer Psychologischen Psychotherapeutin "therapieren" hat lassen, wurde von der Gutachterin als Mangel angesehen. Die sozialpädagogische Familienhilfe wiederum hatte der Stiefmutter negativ angelastet, dass sie nicht bereit gewesen war, die Psychologische Psychotherapeutin von ihrer Schweigepflicht zu entbinden, damit die SPFH dann hätte ergänzend tätig werden können. (Hinweis: Aufgabe der sozialpädagogischen Familienhilfe ist nicht die Therapie der Familienmitglieder - siehe auch:Gesetzliche Aufgaben der Sozialpädagogischen Familienhilfe)

Dieses Gutachten führte von Seiten des Gerichtes zum Sorgerechtsentzug der Mutter und des Vaters. Da auch die Stiefmutter für "erziehungsunfähig" erklärt wurde und das Jugendamt Osnabrück darauf stützend einen Sorgerechtsantrag für Melanie und Michael* gestellt hatte, wurde bei Gericht die Vormundschaft für die beiden Kinder dem Jugendamt Osnabrück übertragen. Ein Verfahren zum Sorgerechtsentzug bei den ehegemeinsamen Mädchen läuft noch. Hauptbegründung: Die Stiefmutter sei laut Gutachterin eingeschränkt erziehungsfähig und könne aufgrund ihrer eigenen Missbrauchserfahrungen die Kinder nicht vor Missbrauch schützen, weswegen die Kinder dem Jugendamt übergeben werden müssten. (Unberücksichtigt bleibt die von der Mutter beantragte Härtefallscheidung. Paradoxerweise hat hier der auch für dieses Verfahren zuständige Richter eine Prozeßkostenhilfe für eine Härtefallscheidung abgelehnt.)

Von außen besehen, in einigen Punkten eine nachvollziehbare Sachlage. Allerdings hat weder das Jugendamt und auch nicht das Gericht die Entwicklung der Lebenssituationen der Beteiligten in ihr Kalkül einbezogen, sondern sich - trotz Vorliegen einer gutachterlichen Stellungnahme zum Gutachten - auf das wissenschaftlich unhaltbare Gutachten gestützt. Auch die in das Verfahren einbezogene Verfahrenspflegerin (Juristin) folgte der Gutachterin. Da Melanie und Michael frühzeitig den Eindruck hatten, dass die Verfahrenspflegerin sich nicht für sie einsetzen wird, haben sie Herrn Franz Romer (Kritik an der Institution Jugendamt.) um Unterstützung gebeten. Weder der Vortrag von Herrn Romer, noch seine Beistandschaft von Michael und Melanie ist im Verfahren - mit Hinweis auf die Nichtöffentlichkeit - zugelassen worden. (Pikanterweise durfte - trotz angeblicher Nichtöffentlichkeit - sowohl das Jugendamt, als auch die Gutachterin während der gesamten Gerichtsverhandlung anwesend sein.)

Auch die gutachterliche Stellungnahme eines Psychologischen Psychotherapeuten zum unwissenschaftlichen Gutachten ist im Verfahren unerwähnt und unberücksichtigt geblieben.

Der vehemente Wunsch der 12 und 13 Jahre alten Kinder bei der Stiefmutter weiter leben zu wollen und die damit verbundene Gefahr einer Traumatisierung durch eine erzwungene Fremdunterbringung wurde weder von der Gutachterin und in Folge davon auch nicht vom Jugendamt und der Verfahrenspflegerin erkannt. Das Gericht folgte - der Einfachheit halber? - vollumfänglich den Ausführungen des unhaltbaren Gutachtens....

Die Stiefmutter hatte, nachdem sie Kenntnis über den Abbruch der Sozialtherapie des Vaters und der großen Bedenken des Jugendamtes bekommen hatte, zunächst eine vorläufige Trennung seit Juli diesen Jahres gegenüber ihrem Mann erklärt. Im Zwiespalt zwischen den Erpressungsversuchen des einsitzenden Vaters, er werde dafür sorgen, dass ihr das Sorgerecht für die drei ehegemeinsamen Kinder entzogen werde, falls sie die Ehescheidung einreiche und dem Umstand, dass das Jugendamt bereits auch einen Antrag zum Entzug des Sorgerechtes der ehegemeinsamen Kinder gestellt hatte, verzichtete sie zunächst aus Sorge um eine von ihrem Noch-Ehemann unterstütze Kindesentzugsmaßnahme des Jugendamtes auf die Einreichung eines Scheidungsantrages.

Die sozialpädagogische Familienhilfe des LWL - Jugendheim Tecklenburg interpretierte ihr Zögern mit der Unterstellung, dass sie davon ausgingen, sie werde sich nicht von ihrem Mann trennen wollen. Behauptungen des einsitzenden Vaters sie habe ein fortdauerndes Verhältnis zu einem angeblichen ehemaligen Kindesmissbraucher wurden gleichfalls von der Familienhilfe für glaubwürdig gehalten. Obwohl es nicht die Aufgabe einer sozialpädagogischen Familienhilfe ist, hat diese noch vor dem mündlichen Verhandlungstermin die Besichtigung von Kinderheimen durch Michael und Melanie veranlassen wollen. Die SPFH hat damit sehr viel Aufregung und Unruhe in die Familie gebracht, von Familienhilfe konnte keine Rede mehr sein. In dieser Situation hat die Stiefmutter die Familienhilfe beendet, was ihr - trotz Nennung der Gründe - allerdings vom Gericht und dem Jugendamt negativ ausgelegt worden war. Aus den Berichten der SPFH geht hervor, dass die SPFH ihre gesetzlichen Aufgaben unvollständig bzw. gar nicht wahrgenommen hat. Ihr ausschließlich auf Defizite gerichteter Blick führte zu Spannungen und am Ende sogar zu einem völligen Vertrauensverlust zwischen den Beteiligten.

Insbesondere die Gutachterin hat im Verfahren auch bei einer veränderten Familiensituation, d.h. bei einer Scheidung der Stiefmutter und einer guten Zusammenarbeit zwischen Stiefmutter und Mutter keinen Anlass gesehen, ihre Empfehlung zur Fremdunterbringung der Kinder zurück zu nehmen. Im Gegenteil, die Gutachterin empfahl dem Gericht und Jugendamt eine mehrmonatige!!! Umgangssperre der Kinder. Diese Umgangssperre sollte nicht nur den Vater betreffen, sondern alle Beteiligten. (Die Gutachterin legt hier ein klares Zeugnis darüber ab, dass sie keinerlei wissenschaftliche Kenntnisse in Bezug auf die traumatischen Auswirkungen einer solchen Form einer "Zwangshospitalisierung" von pubertierenden Kindern hat. Die Psychologin F. aus Laer dokumentiert in dieser Beziehung völlig unzureichende entwicklungspsychologische und wissenschaftliche Erkenntnisse der klinischen Psychologie. Die Entscheidung wurde unter anderem vom Richter damit begründet, die Kinder vor einem - vom Vater zu erwartenden - Trennungskrieg zu schützen.

Zielsetzung im Urteilstenor oder besser gesagt "Aberglaube des zuständigen Richters":
Die Kinder sollen über eine gegen ihren Willen vollzogene Fremdunterbringung zur "Ruhe kommen"
Warum eine solche Annahme völlig lebensfremd ist, ist sehr leicht bereits aus dem Beitrag von Prof. Dr.Klenner zum PA-Syndrom unter Punkt1. "Das Kind soll endlich zur Ruhe kommen" in "Rituale der Umgangsvereitelung bei getrenntlebenden oder geschiedenen Eltern "zu entnehmen. Man muss nur den beeinflussenden und umgangsentziehenden Elternteil durch das Wort "Jugendamt" ersetzen.......

Das Beispiel der Familien um Michael *und Melanie* zeigt, welch großes Unheil GerichtsgutachterInnen mit unzureichenden Fachkenntnissen und geringen beruflichen Erfahrungen anrichten können.

Die Auswirkungen:
Obwohl das KJHG (Kinder- und Jugendhilfegesetz) im Falle einer Fremdunterbringung vorsieht, dass die betroffenen Kinder möglichst nicht vollständig aus ihren Lebensbezügen (Bezugspersonen,Umgebung, Schule und Freunde) herausgenommen werden, sah sich das Jugendamt Osnabrück auf Anraten der Gutachterin nicht in der Lage die Kinder in ein vorhandenes Kinderheim am bisherigen Lebensort der Kinder unterzubringen. Gerade Michael und Melanie haben einen guten Freundeskreis und auch in der Schule haben sie sich sehr wohl gefühlt. Ebenso sind (d.h. nun "waren") sie in die kirchliche Gemeinschaft eingebunden. Der Vater kann sich - da sein JVA-Aufenthalt und die Verurteilung wg. Vergewaltigung bzw. Verdächtigungen wg. Kindesmissbrauch bekannt - im Heimatort der Kinder nicht mehr sehen lassen. Insofern wäre ein "Schutz" vor dem Vater dort eher gegeben, als beim jetzigen Aufenthaltsort, welcher der väterlichen JVA am nächsten liegt.

Obwohl aus Sicht des JA, der Gutachterin und auch im Urteil des Familiengerichtes der Vater als Hauptunruhestifer und Gefahr für die Kinder betrachtet wird werden Michael und Melanie in ein Kinderheim ganz in der Nähe der JVA des Vaters gebracht.

Besorgniserregend ist in diesem Zusammenhang, dass gerade der Vater seinen Kinder eine Entführung mit Unterstützung seiner neuen Freudin bereits angekündigt hatte. Eine Bekannte hat er beauftragt, von der Stiefmutter Reisepass und Führerschein herauszuverlangen und bei einem Besuchstermin zu übergeben. Die JVA liegt wie das Kinderheim in der Nähe der Autobahn, so dass beste Voraussetzungen für solche Pläne gegeben sind:
    • Entfernung Justizvollzugsanstalt (C) zum Kinderheim 50,8 km – ca. 36 Minuten
    • Entfernung Wohnort Stiefmutter (B) zum Kinderheim: 96,1 km – ca. 1 Stunde, 2 Minuten
    • Entfernung Wohnort Mutter (A) zum Kinderheim: 143 km – ca. 1 Stunde, 43 Minuten

Michael und Melanie* können nur schwer nachvollziehen, warum sie nun durch den Zwang des Jugendamtes Osnabrück als neuer Vormund (zum Wohle des Kindes!!!) in einer neuen, ihnen fremden Umgebung leben müssen. Sie vermissen ihre Freunde, ihre Schule und ihre Bezugspersonen, von welchen sie geliebt werden. Sie können nicht verstehen, dass all das ihrem "Schutze" dienen soll. Ob sie nun - durch die Nähe zum Vater - darauf hoffen, dass er sie daraus befreien wird? Die gesamte Umgebung der Kinder stellt hier zu Recht die Frage, wo die akute Gefährdung von Michael und Melanie lag und warum eine Unterbringung in der Nähe der JVA des Vaters durch das Jugendamt ausgerechnet die Kinder mehr schützen soll. Alle fragen sich, ob die Kinder nicht weit mehr Kindeswohlschädigung durch die Trennung von allen Freunden, den engen Bezugspersonen, ja sogar der Verzicht auf die vielen persönlichen Sachen erleben.(Sie durften zunächst nur zwei Kartons an persönlichen Sachen mitnehmen, das Jugendamt "benutzt" nun die Stiefmutter dazu, die restlichen persönlichen Sachen selbst zu den Kindern zu bringen. Ursprünglich war sogar von der Stiefmutter verlangt worden, die Kinder selbst im Kinderheim abzugeben. Die Fahrtkosten soll die von Hartz IV lebende Stiefmutter selber tragen!)

Hinzu kommt, dass die Umgangskontakte zu den Bezugspersonen stark eingeschränkt werden sollen. Michael und Melanie empfinden ihre Situation, als ob sie ins "Gefängnis" müssten (O-Ton der Kinder). Weihnachten werden sie ohne ihre Familie im Kinderheim "zu ihrem Schutze" verbringen müssen.

Auch die juristische Verfahrenspflegerin, welche eigentlich die "Anwältin der Kinder" sein sollte, hat sich zu den Auswirkungen ihrer Kinderheimempfehlungen für Michael und Melanie nicht einen einzigen Gedanken gemacht und so leiden die Kinder - dank der "Schutz-Initiative" des Jugendamtes Osnabrück und der "Anwältin der Kinder" unter dem "Missbrauch des Missbrauchs", d.h. sie müssen sehr viel Leid - angeblich zu ihrem eigenen Schutze - ertragen.

FAZIT:

Ein wissenschaftlich denkender Psychologe kann eine solche "Lösung" einer durchaus vorhandenen Kindeswohlgefährdungsproblematik nicht verstehen. Es wird deutlich, dass Qualitätssicherungen für familiengerichtliche Gutachten bzw. GutachterInnen längst überfällig sind. Im Gesundheitswesen herrschen längst recht strenge Anforderungen an Psychologische Psychotherapeuten. Sie sind einer ständigen Kontrolle unterstellt. Sie müssen sich regelmässig fortbilden und gemäß dem neuesten wissenschaftlichen Stand arbeiten.

Leider kontrolliert niemand die meist nur unzureichend ausgebildeten und berufsunerfahrenen psychologischen Gutachter in familiengerichtlichen Verfahren. Sie haben oft vor Jahrzehnten einmal Psychologie studiert und stecken in der Falle massiver "Selbstüberschätzung".......Sie erklären "aus psychologischer Sicht" und nicht anhand wissenschaftlicher Theorien und Forschungsergebnisse.....Juristen und oft unzureichend ausgebildete psychologische Gerichtsgutachter und Sozialpädagogen dürfen darüber entscheiden, was für Kinder pädagogisch und psychologisch sinnvoll sein soll..........Eine verkehrte Welt !


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